Meine Messer fertige ich alle in Handarbeit, lediglich beim Grundschliff kommt ein Bandschleifer zum Einsatz, alles andere entsteht mit Feilen, Schmirgelpapier und viel Geduld.

Ich fertige alle meine Messer mit einem Steckerl, da diese Bauart mehr Freiheit bei der Gestaltung des Griffes ermöglicht, leicht und trotzdem sehr stabil ist.

Dabei vermeide ich jegliche abrupten Änderungen der Stärke des Erls und die Schultern auf denen der Handschutz liegt sind gerundet. So nimmt der Erl vom Ricasso aus kontinuierlich bis zum Ende ab, die eventuell auftretenden Kräfte werden so gleichmässig verteilt.

Die Planung

Jedes Messer beginnt mit einer Zeichnung um Proportionen und das Verhältniss der Zwischenlagen zum restlichen Griff zu visualisieren.

Proportionen

Die Formen und Linien der Klinge sollten sich im Griff fort setzen, damit alles wie aus einem Gruss aussieht. Der Griff sollte auf der gleichen Höhe wie der Klingenrücken liegen. Das Messer soll wie eine natürliche Verlängerung der Hand sein.

Daumenauflage

Auf der Rückseite des Handschutzes, dort wo man den Daumen auflegt um beim Schneiden Druck auszuüben, weist der Handschutz eine ebene Fläche auf. So besteht keine Gefahr auzurutschen und das Messer liegt sehr bequem in der Hand.

Die Klinge

Ich fertige hauptsächlich Klingen als Drop Point, Clip Point oder Wharncliffe.

Bei der Drop Point Klinge fällt der Klingenrücken in einer eleganten Kurve kontinuierlich bis zum leicht unter der Klingenachse liegenden Spitze ab. Diese Klinge ist wohl die stabilste Form, da sie am meisten Material an der Spitze hat. Bei Jagdmessern verhindert der gebogene Klingenrücken zusammen mit der unter der Klingenachse liegenden Spitze, sozusagen als Abstandshalter, dass beim Aufbrechen die Spitze innere Organe verletzt.

Bei der Clip Point Klinge fällt der Klingenrücken in einer konkaven oder auch geraden Linie bis zu der Spitze hin ab. Je nach Vorliebe kann die Spitze unterhalb oder oberhalb der Klingenachse liegen. Diese Klingenform ermöglicht eine sehr feine Spitze.

Bei der Wharncliffe Klinge, benannt nach seinem Erfinder Lord James Archibald Stuart Wortley Mackenzie, fällt der Klingenrücken stark bis auf die fast auf Schneidenhöhe liegende Spitze ab. Die Schneide ist nahezu gerade, lediglich das letzte Drittel vor der Spitze weißt eine ganz leichte Kurve auf. Diese Klingenform ermöglicht eine extrem feine Spitze, ideal für alltägliche Schneidaufgaben.

Die Klingen weisen meistens einen Flachschliff auf, je nach Anwendungsbereich, mit sehr feiner oder robusterer Fase.

Zur Zeit verwende ich am liebsten den

1.3505 für kleinere Messer die einen guten Kompromiss aus Standzeit, Schärfbarkeit und Robustheit haben sollen

1.2442 für kleinere Messer mit feinster Schneide mit hoher Standzeit

1.2235 (80CrV2) für Messer mit einer etwas robusteren Schneide

Aogami San Mai für kleine Messer mit feinster Schneide

Damast von Achim Wirtz und Norbert Bahls (1.2842, 1.3505, 75Ni8) für Messer mit guter Standzeit, Robustheit und Schärfbarkeit.

Böhler N690Co für rostfreie Klingen.

 

 

Das Ricasso

Das Ricasso ist der ungeschärfte Teil der Klinge, direkt über dem Handschutz. Eine freisthende Schneide hat den Vorteil, leichter nachgeschliffen werden zu können und sie sieht auch nach sehr häufigem Nachschleifen immer noch gut aus, ohne dass mit der Zeit die Schneide eine S-Form bekommt.

Bei Jagdmessern sollte der Übergang von der freistehenden Schneide zum Ricasso gerundet sein, damit diese weniger leicht hängen bleiben kann. Die Formen des Ricassos sind sehr von der Anwendung und Vorlieben abhängig. So kann eine längere Klinge mit einem langen Ricasso für feine Schneidaufgaben kurz gegriffen werden.

Handschutz

Der Handschutz weisst auf der Vorderseite als Design Element eine leichte Kante auf, die als haptischer Wegweiser funktioniert, sodass man auch blind weiss, wie herum man das Messer hält. Der Handschutz wird mit 6% Ag Lot verlötet, welches bei 230ºC schmilzt und der Anlasstemperatur des Stahls entspricht, so dass die Härte nicht beinflusst wird. Trotzdem schütze ich die Klinge beim Verlöten mit einem feuchten Tuch vor Hitze. Ein verlöteter Handschutz garantiert einen hermetisch geschlossenen Griff. Bei einigen Konstruktionen wie z.B. bei einem Handschutz aus Puddeleisen, wird dieser perfekt angepasst und mit Epoxi verklebt, da das Lot die Struktur des Eisens verschmutzen würde.

Der Handschutz kann aus Messing, Eisen, Stahl, Neusilber oder Bronze gebaut werden, "Gunmetal" oder Rotguss bekommt eine bräunlich-rote Patina, Phosphorbronze als CuSn8 oder CuSn6 wobei die CuSn6 ebenfalls eine dunklere Patina bekommt, absolut korrosionsbeständig für die Liebhaber der See, auch Aluminiumbronze.

Griffabschluss

Die Messer baue ich meistens mit einem Griffabschluss aus 2-3mm Bronze, Messing, Eisen, Büffel, Silber oder auch mit Inlays aus Mammut Elfenbein oder Büffel. Bei Jagdmessern kann gerne auch eine Patronenhülse einer bedeutenden Jagd oder des bevorzugten Kalibers eingelassen werden.

 

 

 

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