Bevor ich anfing Messer zu fertigen, habe ich Messer gesammelt, besonders traditionelle Taschenmesser und da hat alles begonnen mit dem Ankermesser von Lütters.

Die Löwenmesser von C.Lütters & Cie aus Solingen werden in Handarbeit seit 1840 hergestellt und haben sich einen erstklassigen Ruf an den Küsten der Nord und Ostsee erworben.

Mein erstes Löwenmesser, das große Ankermesser, erwarb ich mit 2005 bei der Eisen Krämerei Weimeister im Hamburger Hafen. Hier wartete ein großer Kasten voll mit Löwenmessern unter dem Ladentisch. Kurz darauf wurde bei Lütters die Produktion der Messer mit Eisen Backen eingestellt, da der Mann, der diese Backen lieferte, in Pension ging, damit endete ein Kapitel der Löwenmesser und ein wenig der Solinger Tradition.

Da ich von Frau Backhaus persönlich erfuhr, dass es in Zukunft nur noch Messer ohne Backen geben wird, ergatterte ich noch ein paar der Ankermesser in der alten Bauweise, mittlerweile werden horrende Preise für diese Messer aufgerufen.

Während es um 2005 noch das Ankermesser in drei verschiedenen Größen gab, (groß 9963, mittel 9964 und klein 9965, jeweils aus Carbon Stahl C85 oder rostfrei) wurden die Herstellung des kleinen und mittleren bald eingestellt und es gab nur noch das große Modell 9963.

Kurzzeitig fertigte die Firma Otter-Messer das Ankermesser für Lütters und daher konnte man das typische Otter-Messer Design mit dem liegenden Löwen von Lütters finden, jedoch ohne den Stempel auf dem Ricasso.

Leider ist es fast unmöglich anhand der Stempel oder sonstiger Merkmale die Messer von Lütters zu datieren, ich habe bisher folgende Stempel auf der Klingenwurzel gesehen, dadrüber jeweils der liegende Löwe:



Lütters & Cie

C.Lütters & Cie

Auf der Terz Seite steht dabei

Solingen

Germany

bzw. bei den rostfreien Modellen

Solingen

Germany

Rostfrei

Ich habe ein älteres Ankermesser wohl aus den 50-70er Jahren ohne "Solingen Germany" auf der Terz Seite und lediglich

Lütters Cie

Solingen

Es gab auch mit dem Löwen und "LOEWENMESSER" gestempelte Klingen die ebenfalls den Löwen und "C.Lütters & Cie" auf dem Ricasso tragen.

Einige der älteren 1147 Modelle tragen die Nummer auf der Terzseite des Ricassos über den Wort "Solingen".

Bei älteren Messern, wohl aus den 50er Jahren und früher, sieht der Löwe etwas reudig aus.

Der Handelsname 'Lutco' wurde 1904 eingeführt.

'Lion Cutlery' (1905),

'LOEWENMESSER' neben dem liegenden Löwen wurde 1921 eingeführt.

Logo aus dem 19. Jahrhundert

C.LÜTTERS & Co - Löwenwerk - Solingen (vor 1921)

Logo wohl 70er bis 80er

50er Jahre

Anfang des 20. Jahrhunderts (ab 1905) verwendete C.Lütters & Cie für den englischsprachigen Raum die Marke "Lion Cutlery"

Es gibt also jede Menge unterschiedlicher Stempel und Schriftzüge und ich kann keine Regelmässigkeit erkennen.

Oben ein altes Ankermesser wohl aus den 50ern bis 70ern, welches ich von einem Freund aus Solingen bekommen habe. Auffällig das gestempelte Logo auf der Klinge sowie "Luetters Cie" auf dem Ricasso. Anders als bei den Messern neueren Datums, die quadratische Klingenwurzel, die das Aufschlagen der Schneide auf die Feder in zugeklappten Zustand verhindert.

Dadrunter ein Ankermesser gekauft 2005 jedoch wohl älteren Datums, da die Stifte aus Eisen sind, nicht wie sonst aus Messing.

Oben ein 1160 noch mit Backen, in der Mitte ein 1038, unten das alte Ankermesser.

Detail des gestempelten Logos wohl bis Anfang der 80er Jahre verwendet.

Laut Frau Backhaus wurden die Klingen bis in die 80er Jahre von der Fa. Walter Backhaus noch geschmiedet, diese haben das Logo mit dem Löwen und LOEWEN MESSER in der Klinge eingeschlagen, später wurden die Klingen dann aus dem Vollen geschliffen und das Logo wurde geätzt.

Dieser Schritt könnte damit zusammen hängen, dass früher die Klingen im Haus an der Bismarckstrasse, nach der Heirat von Ricarda Lütters und Wilhelm Backhaus diese jedoch von da an in der traditionsreichen Familien Schmiede von Wilhelm Backhaus, gefertigt wurden.

Bei den älteren Messern findet man häufiger die Stifte aus Eisen, bei den neuen sind diese ausschließlich aus Messing.

Bei älteren Messern mit Backen der Serie 11 sind diese noch tailliert, bei den neueren glatt.

Die Federn der Loewenmesser sind sehr stark und der Klingengang sehr gleichmässig und verhältnismässig weich. Alle Löwenmesser die ich jemals in der Hand hatte, wurden von Haus aus sehr scharf ausgeliefert. Die Holzbeschalung ist aus Bubinga. Die Ankermesser verfügen über einen sogenannten "half stop", sodass die Klinge beim Auf- oder Einklappen bei 90º stoppt, das hat sicherlich gerade bei den starken Federn so manche Fingerkuppe gerettet.

Meiner Meinung nach macht die Faszination dieser Messer die einfache und robuste Bauweise aus, sowie den geradezu sagenhaften Ruhm, den sich diese Messer seit 1840 verdient haben.

Um das Jahr 1920 führte Lütters in ihrem Katalog noch ca. 20.000 verschiedene Modelle und Konfigurationen, heute ist das Angebot auf gute zwei Dutzend reduziert, ausschliesslich Arbeitsmesser für die Fischerei, Landwirtschaft und Industrie.

So schreibt Kristin Kube in ihrem Buch "Hochseefischer" über die Fischer, Seeleute und Kapitäne der Fischereiflotte der Nordsee und dessen Untergang. Die Kapitäne und Fischer tragen häufig auch Jahre nach ihrer Pensionierung noch ihr Löwenmesser bei sich, dieses ist nicht nur das ideale Werkzeug, sondern auch Statussymbol und Talisman.

ISBN 10: 3830929412 / ISBN 13: 9783830929413
Verlag: Waxmann Verlag, Münster in Westfalen, 2013

In dem Dokumentarfilm "Historisches Museum Bremerhaven - Das war Knochenarbeit" berichtet der ehemalige Matrose Michael Schulz Brummer (Minute 07:03), dass die ganze Mannschaft mit Löwenmessern ausgestattet war.



Hans Sackau schreibt in "Tetje Bollermann - Als Moses in der Heringsfahrt" über den Vater, der die Ausrüstung für seine nächste Fangfahrt kauft, Unterwäsche, Gummistifel, Handschuhe etc. und "zwei gute Löwenmesser". Da wird als einziger Ausrüstungsgegenstand der Markenname erwähnt und dazu das Adjektiv "gute".

ISBN 10: 3954940841 / ISBN 13: 978-3954940844
Verlag: Edition Falkenberg; Auflage: 1 (18. November 2015)

Redmond O'Hanlon erwähnt ein Loewenmesser 825 mit rotem Plastikgriff auf seiner Reise mit einem Trawler in den Nord Atlantik in dem Buch "Trawler: A Journey Through the North Atlantic".

ISBN 10: 1400042755 / ISBN 13: 978-1400042753
Verlag: Alfred a Knopf Inc (4. Januar 2005)

In einem Dokumentarfilm über die DGzRS zieht ein Retter ein Löwenmesser aus der Tasche, um eine Flaschenpost zu öffnen.

Im Museum des Seglers "Rickmer Rickmers" im Hamburger Hafen kann man Löwenmesser aus dem 19. Jahrhundert bewundern.

In der "Övelgönner Seekiste" ist das Scrimshaw Werk eines Walfängers auf dem Griff aus Pottwalzahn eines Matrosenmessers zu sehen, die Klinge natürlich von Lütters.

Der Angestellte des Schiffsausrüsters Toplicht hat eins in der Tasche, im Övelgönner Museumshafen als auch in Tönning sah ich einen Mann in der Takelage sitzen, in seiner Takelausrüstung ein Löwenmesser.

In Finkenwerder gehört ein Löwenmesser einfach dazu, um den "Finkenwerder Speck" zu bereiten oder zu essen und in einer alten Schulausgabe des Buches "Seefahrt ist Not" von Gorch Fock aus dem Jahre 1944 ist ebenfalls ein Matrosenmesser abgebildet, ich bin mir sicher, dass der Zeichner dabei an ein Löwenmesser dachte.

Löwenmesser sieht man beim genauen Beobachten an der See überall, jedoch selten in den Geschäften. So lagen die Löwenmesser bei Chr.Weismeister nicht etwa sichtbar in einer Vitrine, sondern in einem Kasten unter dem Tresen. Der Kenner weiß eben, wonach er fragen muss.

Aber Lütters Messer waren nicht immer nur robuste Arbeitsmesser, auch elegante Herrenmesser aus Perlmutt und Silber gehörten zum Angebot der Firma.

 

Ich freue mich über jegliche Information zu diesem Thema.

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